Archiv

Archiv für den Monat Juli 2011

Jedes Jahr kommt sie wieder: Die Mitarbeiterbefragung. Sie sind mühsam, endlos und öde – und unersetzbar. Ein Grossunternehmen ohne Mitarbeiterbefragung gibt es beinahe nicht mehr. Heutzutage lässt man sich nicht mehr lumpen und investiert in das Marketing, in PR, in das Arbeitsklima und alles was dazu gehört. Einmal damit angefangen, kann man beinahe nicht mehr aufhören. Ohne die 360 Feedbacks wird das Unternehmen zugrunde gehen, könnte man meinen. Aber früher ging es schliesslich ja auch ohne. Wieso heute nicht mehr? Was hat sich geändert in den letzten 100 Jahren das solche Dinge plötzlich nötig wurden und ist es wirklich so, dass man nicht mehr ohne kann? Die Frage verweist zurück auf die Industrialisierung, als die 8h-Tage eingeführt wurden. Ist das noch zeitgemäss? Oder wäre es angebracht, dass Arbeiter weniger, dafür konstruktiver arbeiten? Die Leistungsgesellschaft verlangt einem so viel ab, dass man eigentlich schon nach einem halben Tag Arbeit ins Bett fallen könnte. Doch die meisten Arbeitgeber wollen keine Teilzeitstellen anbieten. Wieso eigentlich nicht? Und wieso müssen eigentlich alle um 12 Uhr Mittag machen? Das Essen ist noch genauso gut um 14 Uhr. Oder der Magen knurrt eigentlich sowieso schon um 11 Uhr. Die ÖV sind immer überfüllt zu den Stosszeiten. Das müsste aber nicht so sein. Wenn endlich einmal verschobene Arbeitszeiten eingeführt würden, würde sich der Berufsverkehr verteilen. Und wieso macht man in den südeuropäischen Ländern eigentlich Siesta, in der Schweiz aber nicht? Die meisten Leute werden sowieso müde am Mittag. Es sollte endlich akzeptiert werden, dass der Mensch nicht tagaktiv, sondern wechselaktiv ist. Statt dass alle in irgendein Schema hinein gequetscht werden, sollte endlich mal das einzelne Individuum wahrgenommen und gefördert werden.

Advertisements

Manchmal wäre es interessant, einmal etwas anderes zu erleben als nur die tägliche Einöde des Jobs, den man schon seit Jahren oder Jahrzehnten macht. Schnuppern als Pilot. Oder einmal arbeiten als Bauer. Ein Tag im Lebens von einem Fotograf. Etwas Abwechslung muss sein. Auch als Student kann man es sich schlecht vorstellen, dass man irgendwann alle seine Tage in einem überheizten Büro verbringen sollte, mit irgendwelchen Zahlen oder Buchstaben rumjonglierend. Doch schlussendlich wird die Realität einem irgendwann einholen. Das Schlaraffenland der Hochschule weicht einem Betonklotz mit kleinen Fenstern, 20 Stockwerken und keinem Lift. Manchmal überlegt man sich, ob es nicht besser wäre, wenn man sich irgendwo mit richtiger Materie beschäftigen soll. Als Biologe, Logistiker, Schauspieler, Bauarbeiter oder als Photographer. Nichtsdestotrotz muss man irgendwann seine Richtung wählen. Zwar gibt es immer noch die Möglichkeit, auf Umwegen oder als Quereinsteiger auf einen anderen Beruf umzusteigen. Doch der Weg ist beschwerlich und lang und verlangt einem einiges an Bescheidenheit ab, wenn man plötzlich im Zuge eines Praktikums oder einer Lehre wieder auf den Minimallohn zurückfällt. Es ist einfach nur schade, dass das Leben so kurz ist und man nur wenige der Möglichkeiten des Universums ausnützen kann. In solchen Momenten träumt man manchmal davon, ein Millionär zu sein; dass das Geld geerbt ist versteht sich von selbst. Doch leider kann man sich die Herkunft nicht auswählen. Mit der gegebenen finanziellen Sicherheit könnte man die Zeit nützen, um sich in allen Bereichen, die interessant sind, ein Bild zu machen und den Horizont endlos zu erweitern. Was für eine Freude es wäre. Irgendwann würde die tägliche Abwechslung vielleicht sogar verleiden. Reizüberflutung. Dann würde man sich einen Job in der Bäckerei nebenan schnappen und für den Rest des Lebens da Brötchen an hungrige Passanten verkaufen.